Energie-Monitoring Region Coburg

Baustil der 70er Jahre auf dem Prüfstand

„Öl war spottbillig, Klimaschutz noch lange Zeit ein Fremdwort“

 

Dass er bei diesem Projekt zum Zuge kommen würde, damit hat Gunter Angermüller eigentlich gar nicht gerechnet. Umso größer war die Freude, als der 76-Jährige erfuhr, dass er und seine Frau Ilona mit ihrem eigenhändig gebauten Einfamilienhaus als einer der drei Testhaushalte beim Energie-Monitoring teilnehmen sollten. Schnell zeigte sich beim ersten Besuch der Energieberater in Ebersdorf, dass die Freude nicht nur auf seiner Seite war. 1975 im typischen Zuschnitt und mit typischen Materialien der 70er Jahre gebaut, finden sich Häuser dieser Machart praktisch überall in Stadt und Landkreis Coburg. Ein Paradeobjekt vor allem für Energieberater Jörg Wicklein, der als gelernter Architekt und Spezialist für Gebäudehüllen zahlreiche und wiederum typische Schwachstellen beim Energiebedarf finden wird.

 

Das weiß auch Gunter Angermüller. „Öl war spottbillig, Klimaschutz noch lange Zeit ein Fremdwort“, erinnert er sich. Obwohl sich die Eheleute Angermüller unter dem Eindruck der ersten Ölkrise seinerzeit für eine Gasheizung entschieden hatten, ist doch so Manches, was seinerzeit als innovativ galt, heute einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Besonders ärgert sich Gunter Angermüller über die flachen Heizkörper. Damals wegen des geringen Platzbedarfs „der letzte Schrei“, wie er sagt, wurden sie im ganzen Haus unter die Fenster in Nischen gesetzt, die aus der Fassade ausgespart wurden. Seither ist die Gebäudehülle ausgerechnet hinter den Heizkörpern besonders dünn – ein Wärmeverlust, der vermeidbar gewesen wäre.

 

Eben jene Gebäudehülle aus Betonsteinen im Kellergeschoss und Bimssteinen darüber isolieren, wie Jörg Wicklein erklärt, immerhin besser als reiner Beton. Aber es könnte weitaus besser sein. „In den 70er Jahren wurde auf dem schlechtesten Energiestandard gebaut, schlechter noch als in den 30ern“, sagt der Energieberater. Es wird also darauf ankommen, wo noch zusätzlich isoliert werden kann. Gunter Angermüller hat das bereits vor Jahren erkannt und das Dachgeschoss isoliert. Zum Einsatz kam Glaswolle, die „man damals noch lose in Säcken kaufen konnte“. Sie verteilte er auf dem Dachboden und befestigte Spanplatten darüber.

 

Das weckt das Interesse von Jörg Wicklein. Er greift zur Wärmebildkamera. Mit geübtem Blick sucht er die Decke des Wohnzimmers ab und wird prompt fündig. Eine minimale, für den Laien kaum sichtbare Verfärbung im Weiß der Deckenfarbe erregt seine Aufmerksamkeit. Die Wärmebildkamera liefert kurz darauf den Beweis, dass dort Heizenergie verloren geht. Die Isolierung des Dachbodens hält an dieser Stelle nicht mehr dicht, ursächlich könnte ein Marderverbiss gewesen sein.

 

Derweil zeigt sich Gunter Angermüller bestens informiert und sensibilisiert für den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Energieverbrauch. Warmes Wasser soll deshalb künftig vom Dach kommen, mit dem Installateur habe er bereits über den Zuschnitt für die Solarthermie gesprochen. Gefriertruhe und Waschmaschine neuester Generation wurden erst kürzlich angeschafft. Als nächstes steht der Geschirrspüler auf dem Programm. „Wir sind schon am überlegen, wo wir noch sparen können“, sagt Gunter Angermüller. „Für den Geldbeutel, aber vor allem für die nächsten Generationen.“

 

Hilfreiche Tipps erhofft sich der 76-jährige Großvater von dem Projekt Energie-Monitoring. Jörg Wicklein und Kollege Marcel Marx haben mit einer ersten Bestandsaufnahme und Installation von Messgeräten jetzt die Grundlage dafür gelegt. Über einen längeren Zeitraum werden nun Daten zum Energieverbrauch erhoben und analysiert und daraus schließlich Optimierungsmaßnahmen abgeleitet. Details dazu in 14 Tagen, hier an dieser Stelle.

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